Gedanken zum Krieg: Laurence Binyon – For the Fallen [„Für die Gefallenen“] (1914) (Veröffentlicht am 09.05.2025, zuletzt bearbeitet am 19.06.2026)

(Übersetzung aus der englischen Sprache)

 

Für die Gefallenen
von Laurence Binyon

Mit stolzer Danksagung, einer Mutter für ihre Kinder,
Trauert England um seine Toten jenseits des Meeres.
Fleisch von ihrem Fleische waren sie, Geist von ihrem Geiste,
Gefallen für die Sache der Freien.

Die Trommeln schlagen feierlich; der Tod erhaben und königlich
Singt die Trauer hinauf in unsterbliche Sphären,
Es gibt Musik inmitten der Trostlosigkeit
Und eine Herrlichkeit, die auf unsere Tränen scheint.

Sie zogen mit Liedern in die Schlacht, sie waren jung,
Kräftig gebaut, wahrhaftigen Blickes, stabil und strahlend.
Sie waren standhaft bis zum Ende gegen unzählige Widerstände;
Sie fielen mit dem Gesicht zum Feind.

Sie werden nicht alt werden, wie wir, die wir übrig sind, alt werden:
Das Alter wird sie nicht ermüden, und die Jahre werden sie nicht verdammen.
Wenn die Sonne untergeht und der Morgen graut,
Werden wir ihrer gedenken.

Sie mischen sich nicht mehr unter ihre lachenden Kameraden;
Sie sitzen nicht mehr an den vertrauten Tischen der Heimat;
Sie haben nicht Teil an unserer täglichen Arbeit;
Sie schlafen jenseits von Englands Brandung.

Doch wo unsere Sehnsüchte sind und unsere Hoffnungen tief,
Wie eine verborgene Quelle gefühlt,
Im innersten Herzen ihres eigenen Landes sind sie bekannt
Wie die Sterne in der Nacht.

Wie die Sterne, die hell sein werden, wenn wir Staub sind,
Die sich in Märschen über die himmlische Ebene bewegen;
Wie die Sterne, die in der Zeit unserer Dunkelheit leuchten,
Bis zum Ende, bis zum Ende, bleiben sie.

 

(Quelle: Binyon, The Winnowing Fan: Poems On The Great War (1914), S. 28 f.)

 

Robert Laurence Binyon, geb. am 10.08.1869 in Lancaster; gest. am 10.03.1943 in Reading, war ein englischer Dichter, Dramatiker und Kunsthistoriker. Er nahm als freiwilliger Helfer beim Roten Kreuz am Ersten Weltkrieg teil und unterstützte verwundete Soldaten. Bewegt durch die Verluste der in Frankreich und Belgien eingesetzten British Expeditionary Force in der Schlacht bei Mons verfasste er sein populäres Gedicht „For the Fallen“, das erstmals am 21.09.1914 in der Times veröffentlicht wurde und bis heute einen festen Platz im Kriegsgedenken im Vereinigten Königreich und Commonwealth-Staaten hat. Im Laufe der Zeit wurden die dritte und vierte Strophe des Gedichts – heute meist nur noch die vierte – als Hommage an alle Kriegsopfer gewertet, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.

Insbesondere von englischen Teilnehmern des Ersten Weltkrieges gibt es eine Fülle an Lyrik zu verschiedenen Aspekten des Krieges, die, obwohl aus englischer Perspektive geschrieben, man vielfach mehr als hundert Jahre später fast als allgemein gültig bezeichnen kann, z. B. die Werke von MacLeish, McCrae oder Brooke.

 

 

(Titelbild: Gedenkstein auf dem britischen Soldatenfriedhof Reichswald bei Kleve,
Inschrift: „Ihr Name lebt für immer und ewig“, November 2025)

 

Meine Arbeit können Sie hier unterstützen, vielen Dank!