Gedanken zum Krieg: Rupert Brook – The Soldier [„Der Soldat“] (Veröffentlicht am 16.06.2026)

(Übersetzung aus der englischen Sprache)

 

Der Soldat
von Rupert Brooke

Sollte ich sterben, denk nur dies von mir:
Dass es irgendwo einen Winkel auf fremdem Feld gibt,
Der für immer England bleibt. Dort wird
In dieser fruchtbaren Erde reichere Erde verborgen liegen;
Staub, den England gebar, formte, bewusst machte,
Dem es einst seine Blumen zu lieben gab, seine Wege zu durchstreifen,
Ein Körper Englands, der englische Luft atmete,
Von den Flüssen gewaschen, gesegnet von den Sonnen der Heimat.

Und bedenke: Dieses Herz, von allem Bösen befreit,
Ein Herzschlag im ewigen Geist, nicht weniger,
Gibt irgendwo die Gedanken zurück, die England ihm geschenkt hat;
Seine Eindrücke und Klänge; Träume, so glücklich wie sein Tag;
Und das Lachen, das es von Freunden gelernt hat; und Sanftmut,
In Herzen, die Frieden gefunden haben, unter einem englischen Himmel.

 

(Quelle: Poems of the Great War 1914-1918 [Penguin Books, 1998], S. 17)

 

Rupert Chawner Brooke, geb. am 03.08.1887 in Rugby, Warwickshire, England; gest. am 23.04.1915 in Skyros, Ägäis, war ein englischer Dichter und Teilnehmer des Ersten Weltkriegs. Er wurde vor allem für seine im Frühjahr 1915 verfassten Sonette über den Krieg – „The Soldier“ ist Sonnett Nr. V – bekannt. Er verstarb bereits kurz darauf an Bord eines französischen Krankenhausschiffes an den Folgen einer Blutvergiftung.

Gerade von englischen Teilnehmern des Ersten Weltkrieges gibt es eine Fülle an Lyrik zu verschiedenen Aspekten des Krieges, die, wenngleich ursprünglich aus englischer Perspektive geschrieben, man vielfach mehr als hundert Jahre später fast als allgemein gültig bezeichnen kann, z. B. die Werke von MacLeish, McCrae oder Binyon.

Als Beispiel mag man England in dem obigen Sonnet durch ein beliebiges anderes Land ersetzen, die Aussage des Gedichts ändert sich hierdurch nicht. Die Gefühle und Sehnsüchte, die Schmerzen und Leiden aller Soldaten und ihrer Angehörigen unterscheiden ebenso wenig wie die Gedanken, die ihnen Trost spenden.

 

 

(Titelfoto: Kleiner Baum mit Herbstlaub zwischen Grabsteinen
auf dem britischen Soldatenfriedhof Reichswald bei Kleve,
November 2025)

 

Meine Arbeit können Sie hier unterstützen, vielen Dank!