Gedanken zum Krieg: F. S. Flint – Lament [„Klage“] (Veröffentlicht am 11.08.2026)
(Übersetzung aus der englischen Sprache)
Klage
von F. S. Flint
Die jungen Männer der Welt
Sind zum Tode verurteilt.
Sie wurden einberufen, um zu sterben
– für das Verbrechen ihrer Väter.
Die jungen Männer der Welt,
Die wachsende, die reifende Frucht,
Wurden von ihren Zweigen gerissen,
Während die Erinnerung an die Blüte
In den Herzen der Frauen noch süß ist;
Sie wurden zu grausamen Zwecken
In die Kelter und den Ofen geworfen.
Die jungen Männer der Welt
Blicken einander in die Augen,
Und lesen dort dieselben Worte:
Noch nicht! Noch nicht!
Doch vielleicht bald, und vielleicht ist es gewiss.
(Quelle: Poems of the Great War 1914-1918 [Penguin Books, 1998], S. 115 f.)
Frank Stuart Flint, geb. am 19.12.1885 in Islington/London, gest. am 28.02.1960 in Berkshire, war ein britischer Dichter und Übersetzer. In Armut aufgewachsen, musste er mit 13 Jahren die Schule verlassen, um zu arbeiten und für seine Familie Geld zu verdienen. Er bildete sich durch den Besuch von Abendschulen für Arbeiter fort und beherrschte später zehn Sprachen. Mit dem unerwarteten Tod seiner Ehefrau im Jahr 1920 stellte Flint das Schreiben eigener Gedichte ein und wirkte bis zu seinem Tod nur noch als Übersetzer und Literaturkritiker.
Sein Gedicht „Lament“, eines seiner kraftvollsten und düstersten Antikriegsgedichte, entstand unter den Eindrücken des Ersten Weltkriegs und wurde in seinem letzten Gedichtband „Otherworld: Cadences“ (1920) veröffentlicht. Flint war ab 1917 Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, hatte aber bereits zuvor in London die Schrecken des Krieges erlebt, die er in verschiedenen, nach Kriegsende veröffentlichten Gedichten, darunter „Lament“, verarbeitete.
Insbesondere englische Teilnehmer des Ersten Weltkrieges haben eine Fülle an Lyrik zu verschiedenen Aspekten des Krieges produziert, die, obwohl zunächst aus englischer Perspektive geschrieben, heute, mehr als hundert Jahre danach, fast als allgemeingültig anzusehen sind, z. B. die Werke von MacLeish, McCrae, Binyon oder Brooke.
(Titelfoto: Grabstein auf dem britischen Soldatenfriedhof Reichswald bei Kleve,
November 2025,
Inschrift: „In memories garden we meet each day. Father, Mother, Dorothy, George, Ted, Nellie“
[„Im Garten der Erinnerungen treffen wir uns jeden Tag. Vater, Mutter, Dorothy, George, Ted, Nellie“])
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