Episoden des Krieges: Auge um Auge in Schmidt im November 1944 (Veröffentlicht am 17.04.2023, zuletzt geändert am 19.04.2026)
I. Die 28. US-Infanteriedivision in der Schlacht im Hürtgenwald
Während der rund sechs Monate Dauer der Schlacht im Hürtgenwald warfen beide Seiten etliche Infanteriedivisionen in die Kämpfe, die aufgrund der hohen Verluste bald wieder aufgefüllt bzw. ersetzt werden mussten. Panzereinheiten waren in dem dichten Waldgebiet nur partiell einsetzbar.
Eine der US-Divisionen, die nicht nur im Hürtgenwald, sondern häufig an Brennpunkten der Westfront eingesetzt wurde, war die 28. Infanteriedivision („Bloody Bucket“) mit ihren Regimentern der 109., 110. und 112. Ab dem 28.10.1944 im Hürtgenwald eingesetzt, machte die Division insbesondere die „Allerseelen-Schlacht“ mit und erlitt schwere Verluste. Sie wurde gegen Ende November 1944 abgelöst.
II. Tod am Kreuz
Das 110. US-Infanterieregiment hatte primär die südliche Flanke des Hauptangriffs auf Schmidt, geführt durch das 112. US-Infanterieregiment, zu sichern und war in schwere Kämpfe um die Westwall-Bunker im Bereich Raffelsbrand und Simonskall verwickelt.
Wie von vielen anderen US-Einheiten auch, wurden nach dem Krieg auch von Soldaten des 110. Regiments Erfahrungsberichte in Buchform veröffentlicht, in denen diese ihre Kriegsereignisse schilderten. Besonders gravierend ist dabei ein Ereignis aus den Kämpfen im Hürtgenwald, das John F. Forsell, K Co., 110th Infantry Regiment, beschreibt (Quelle: Chernitsky, Voices from the Foxholes – Men of the 110th Infantry relate personal accounts of what they experienced during World War II, S. 62 f.; Übersetzung aus der englischen Sprache):
„Nach den Hedgerows in Frankreich war die 28. Division die erste Division, die Deutschland betrat. Am 2. November erhielt die Division den Befehl, den Hürtgenwald zu sichern. Der Hürtgenwald war die schlimmste Tortur, die ich während meiner Dienstzeit erlebte. Die Zahl der verlorenen Männer ist unvorstellbar. Wenn ich morgens die Schützenlöcher kontrollierte, wurde die Liste der Gefallenen immer länger. Das kalte Wetter und der Schnee waren keine Hilfe. Wenn man die Löcher überprüfte, waren einige der Männer steif vor Kälte, andere waren tot. Der ständige Beschuss mit Granaten, die Baumkrepierer verursachten, machte uns das Leben sehr schwer. Ich erinnere mich an eine Nacht, in der wir zwei neue Leutnants als Ersatz erhielten. Der Kommandant schickte sie zu mir, und ich war hocherfreut, denn zum ersten Mal seit Monaten träumte ich davon, etwas Ruhe und Schlaf zu bekommen. Ich sagte ihnen, dass sie die ganze Nacht wach sein würden. Ich schickte sie zurück ins Messezelt, um etwas zu essen und zu trinken. Etwa eine Viertelstunde später schlug eine Granate über dem Messezelt ein. Ich konnte es nicht glauben. Beide Leutnants wurden getroffen, der eine an der Schulter, der andere am Unterarm verwundet. Natürlich wurden sie sofort zurückgeschickt, und damit war meine Nachtruhe vorbei.
Wie Sie vielleicht wissen, sind die Ortschaften in diesem Teil Deutschlands sehr religiös (meist katholisch) und im Zentrum der Städte findet man Darstellungen der Kreuzigung (Jesu) und mehrere Statuen mit Kreuzen. Unsere Patrouille führte uns in das Dorf Schmidt, wo wir täglich tagsüber die Häuser usw. kontrollierten. Wir wussten auch, dass die Deutschen nachts im gleichen Dorf patrouillierten. Eines Morgens kam unsere Patrouille in das Dorf und fand einen GI, der am Kreuz erhängt worden war (wir haben ihn abgeschnitten). Wir blieben im Dorf und versteckten uns in ein paar Häusern, um auf die Deutschen zu warten. Die deutsche Patrouille kam, wir hatten ein Feuergefecht, sie wurden überrascht. Ein paar von der Patrouille konnten entkommen, aber wir nahmen drei Deutsche fest und erhängten sie an den drei Kreuzen. Das war das Ende dieser kleinen Fanfare für beide Seiten in diesem Dorf.“
Der Vorgang gibt die im Krieg entfesselten Perversionen in drastischer Form wieder. Die Darstellung des ans Kreuz genagelten Jesus steht nach dem christlichem Glauben bekanntlich für das von Jesu Christi zur Erlösung der Menschheit gebracht Opfer. An einem solchen Kreuz demonstrativ Menschen zu erhängen, sagt über das Wesen des Krieges und die Verrohung der daran beteiligten Menschen alles aus.
(Titelfoto: Das zerstörte Schmidt,
aus: Lightning – The History of the 78th Infantry Division, S. 108)
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