Feldpostbriefe: Letzte Briefe aus Stalingrad – Brief eines namenlosen deutschen Soldaten: „Das letzte Wort gilt der Mutter“ (Veröffentlicht am 03.08.2026)

Er schreibt in einem Brief über die sterbenden Soldaten und die aufkommenden Zweifel an der deutschen Führung (Quelle: Letzte Briefe aus Stalingrad, Brief Nr. 12, S. 22 f.):

 

„…So nun weißt Du es, dass ich nicht wiederkomme. Bringe es unseren Eltern schonend bei. Ich bin schwer erschüttert und zweifle sehr an allem. Einst war ich gläubig und stark, jetzt bin ich klein und ungläubig. Vieles, was hier vor sich geht, werde ich nicht erfahren; aber das wenige, das ich mitmache, ist schon so viel, dass ich es nicht schlucken kann. Mir kann man nicht einreden, dass die Kameraden mit dem Worte »Deutschland« oder »Heil Hitler« auf den Lippen starben. Gestorben wird, das lässt sich nicht leugnen; aber das letzte Wort gilt der Mutter oder dem Menschen, den man am liebsten hat, oder nur dem Ruf nach Hilfe. Ich habe schon Hunderte fallen und sterben gesehen und viele gehörten wie ich der HJ [„Hitlerjugend“] an, aber sie haben alle, wenn sie noch konnten, um Hilfe gerufen oder nach einem Namen, der ihnen doch nicht helfen konnte.

Der Führer hat fest versprochen, uns hier herauszuhauen, das ist uns vorgelesen worden, und wir glaubten auch fest daran. Ich glaube es heute noch, weil ich doch an etwas glauben muss. Wenn das nicht wahr ist, woran sollte ich dann noch glauben? Dann brauchte ich keinen Frühling und keinen Sommer mehr und nichts mehr, was Freude macht. Lass mir diesen Glauben, liebe Greta, ich habe mein ganzes Leben oder wenigstens acht Jahre davon immer an den Führer und sein Wort geglaubt. Es ist entsetzlich, wie sie hier am Zweifeln sind, und beschämend, die Worte zu hören, gegen die man nichts sagen kann, denn die Tatsachen sprechen für sie.

Wenn es nicht wahr ist, was man uns versprach, dann wird Deutschland verloren sein, denn in diesem Fall kann kein Wort mehr gehalten werden. Oh, diese Zweifel, diese furchtbaren Zweifel, wenn sie doch bald behoben wären!“

 

 

Angaben des Verlags zu den Hintergründen des Buchs »Letzte Briefe aus Stalingrad« finden sich hier.

 

Die Echtheit der „Letzten Briefe aus Stalingrad“ ist umstritten.

 

 

(Titelfoto: Bronzeplastik „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz,
Neue Wache Berlin, Juni 2026)

 

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