Franz Krügner, Soldatenfriedhof Ittenbach.

Feldpostbriefe: Brief des 16-jährigen deutschen Soldaten Franz Krügner an seine Familie, April 1945 (Veröffentlicht am 18.01.2023, zuletzt geändert am 13.04.2026)

 

I.   Die „Staatsjugend“ in der NS-Diktatur

Zu den schockierendsten Zeugnissen der NS-Zeit gehören diejenigen der in den Kampf geworfenen Kinder und Jugendlichen. Wie jedes totalitäre System hatte sich auch die NS-Diktatur ihrer umgehend bemächtigt, sie zur „Staatsjugend“ erhoben und sie von Klein auf mit der eigenen Ideologie durchdrungen. Nicht von ungefähr waren sie häufig diejenigen, die noch kurz vor dem Zusammenbruch an den vermeintlichen Sieg glaubten, einen ebenso unnachgiebigen wie ungleichen Kampf „kämpften“ und in den Tod gingen.

 

II.   Der 16-jährige Franz Krügner wird noch im April 1945 an die Front geschickt

Ein derartiger Jugendlicher war Franz Krügner. Er wurde im Januar 1945 mit 16 Jahren zum Reichsarbeitsdienst einberufen und zwei Monate später von der Wehrmacht übernommen. Seinen letzten Brief schickte er seinen Eltern am 07.04.1945 aus Prag-Rusin (Ruzyně), wo sich damals und bis in die letzten Kriegstage eine wichtige Ausbildungseinheit der Waffen-SS befand.

Folgenden Brief schrieb Franz Krügner seinen Eltern, bevor er am Folgetag in den Einsatz ging (Quelle: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Letzte Lebenszeichen II – Briefe aus dem Krieg, S. 102 f.):

 

„Meine lieben Eltern und Geschwister!

Die besten und letzten Grüße von Rusin sendet Euch Euer Sohn und Bruder Franz. Wie ich Euch schon geschrieben habe, liegen wir in Alarmbereitschaft. Aber haben plötzlich Marschbefehl bekommen und kommen Montag oder Dienstag weg von hier an die Front. Haben eben Pech gehabt, dass Ihr mich nicht mehr besuchen konntet. Höchstens, wenn Ihr den Brief rechtzeitig bekommt, dass Papa und Mama sofort nach Rusin in die Kaserne kommen.

Die Zivilsachen wollte ich unter allen Umständen nach Hause schicken, aber es ist unmöglich. Wenn Ihr doch nimmer kommen könnt, muss ich sie halt ungern um Essen und Geld verkaufen. Nur die Schuhe und das HJ-Hemd kann ich mitnehmen. Es tut mir sehr leid, aber ich kann es nicht mit an die Front nehmen. Aber die Hauptsache ist, dass wir den Krieg gewinnen, und dass ich vor allen Dingen wieder ‚gesund‘ nach Hause komme. Aber jede Kugel trifft ja nicht, jetzt heißt es eben Soldatenglück haben und die Zähne zusammenbeißen. Und sollte ich das Glück nicht haben, dass ich nicht mehr in die Heimat zurückkehre, dann verzagt nicht und tröstet Euch mit den anderen. Aber, liebe Eltern und Geschwister, wir vertrauen doch alle zu Gott, denn der Allmächtige wird es schon lenken.

Meinem lieben kleinen Horstl wünsche ich viel Glück zum ersten Schuleintritt. Und Liesl viel Glück für die Zukunft.

Drum, liebe Eltern und Geschwister,
seid tausendmal gegrüßt von

Eurem Bruder und Sohn Franz.“

 

Der Krieg wurde bekanntlich nicht gewonnen und sein Zuhause sah ihn nie wieder.

 

III.         Lebensdaten

 

 

Franz Krügner, geboren am 06.12.1928 in Voitsdorf im Erzgebirge, verstarb am 13.05.1945 im Feldlazarett an den Folgen einer schweren Granatsplitterverletzung am Kopf und an der rechten Hand. Er ruht heute auf der Kriegsgräberstätte in Linz-St. Martin (Österreich).

 

 

(Titelfoto: Gräber zweier 18-jähriger deutscher Soldaten
auf dem Soldatenfriedhof Ittenbach, August 2025)

 

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