Gedanken zum Krieg: Der griechische Soldat Giorgos Sarantaris über den Tod im Krieg, 1940 (Veröffentlicht am 05.03.2026)
Der griechische Schriftsteller Giorgos Sarantaris
Giorgos Sarantaris, geb. am 20.04.1908 in Konstantinopel (heute Istanbul), gest. am 25.02.1941 in Athen, war ein griechischer Dichter, Philosoph und Essayist, der als einer der wichtigsten Wegbereiter der literarischen „Generation der 30er Jahre“ gilt. Er wuchs in Bologna in Italien auf, studierte dort Jura und kehrte 1931 nach Griechenland zurück. Durch seinen engen Bezug zur italienischen Kultur brachte er eine ganz eigene, europäische Perspektive in die griechische Literatur ein. Sarantaris nahm als Soldat an der albanischen Front am Griechisch-Italienischen Krieg teil, wo er ab Oktober 1940 gegen Italien, das Land seiner Jugend, kämpfen musste.
Gedicht aus dem Krieg
Aus dieser Zeit ist sein folgendes Gedicht überliefert, in dem er den Verlust von Kameraden im Krieg beschreibt (Quelle: Bähr, Die Stimme des Menschen – Briefe und Aufzeichnungen aus der ganzen Welt 1939 – 1945 (1961), S. 152):
Dass wir alle uns erheben
Ich habe noch nicht eine Träne vergießen können über das Unglück,
ich habe die Toten noch nicht recht geschaut,
ich habe noch nicht spüren können, dass sie in meiner Gesellschaft fehlen,
dass sie die Luft verloren haben, die ich atme,
und dass die Musik der Blumen,
das Summen der Namen, die die Dinge besitzen,
nicht bis zu ihren Ohren gelangt.
Noch wieherten die Pferde nicht, die mich zu ihnen bringen werden,
dass ich sie anspreche,
mit ihnen weine,
und sie dann noch erhebe,
dass wir alle uns erheben,
wie ein Mensch,
als wäre nichts geschehen,
als wäre die Schlacht nicht über unsere Köpfe gerollt.
Früher Tod infolge seiner Kriegsteilnahme
Das Ende des Krieges, der infolge des Balkanfeldzuges Deutschlands am 23.04.1941 mit einer griechischen Niederlage und anschließender, bis 1944 dauernder Besatzung endete, erlebte Giorgos Sarantaris nicht mehr. Er verstarb Anfang 1941 im Alter von nur 33 Jahren an den Folgen einer Typhus-Erkrankung, die er sich während seines Kriegseinsatzes zugezogen hatte.
(Titelfoto: Grabstein auf Soldatenfriedhof Brandau/Odenwald,
August 2025)
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