Gedanken zum Krieg: Die Bemerkungen des ehemaligen Kommandanten der österreichischen Landesverteidigungsakademie (Veröffentlicht am 21.07.2026)
Nach dem Titelblatt eines hier antiquarisch erworbenen Buchs mit dem Titel „Kriegsgefangen im Zweiten Weltkrieg – Wie Deutsche und Russen mit ihren Gegner ist umgingen“ von Ernst Reuß aus dem Jahr 2010 befindet sich der folgende eingeklebte Text, der durchaus lesenswert ist:
„Den Studierenden der Landesverteidigungsakademie in Wien von Ihrem Kommandanten 1986 bis 1990 gewidmet mit dem großem Wunsche, aus der Lektüre zu lernen und zu erkennen, dass
kein Krieg schön und erfolgreich (für alle Menschen) ist und immer weniger sein kann,
der Krieg nicht die Fortsetzung der Diplomatie und Politik mit anderen Mitteln, sondern deren totaler Bankrott ist,
künftige Generale nicht begierig darauf warten dürfen, bis Diplomatie und Politik Kriege »inszeniert“ haben, die sie dann als »Führungshelden«, nicht als »Sterbehelden« freilich, zu »gewinnen« haben (was schon lange nicht mehr geht),
künftige Generale daher früh- und rechtzeitig und sehr sensibel darauf achten müssen, von Diplomatie und Politik nicht »großzügig« einen total verfahrenen »Karren« zugeschoben zu bekommen und dann – wenn‘s schief geht weil‘s schief gehen muss – auch noch dafür »allein« verantwortlich gemacht zu werden,
künftige Generale ihre Hauptaufgabe darin sehen müssen, Kriege rechtzeitig zu verhindern und Kriege nur als extremste, ausschließlich fremdaufgezwungene Notlösung der Notwehr zu führen.
Daher:
Landesverteidigung muss Landesverteidigung bleiben, Interessenverteidigung ist, wie die Praxis zeigt, die größte staatlich organisierte und steuerfinanzierte, globalisiert wirkende Terrorismusproduktion,
»Interessenverteidigung« schließt jede Art von Neutralität als absolut einzige anständige Art des Umgangs mit zwischenstaatlicher Gewalt – eo ipso und sui generis aus.
Nur die fremdaufgezwungene Verteidigung des Heimatlandes kann Soldaten und Führung jene Seelengröße vermitteln, die allein zu einem gewissen Abwehrsieg verhelfen kann, beruht doch Moral – auch Kampfmoral – weitgehend auf Hoffnung.
Wirkliche Siege für (und nicht gegen) die Menschen sind nur mehr durch absolute Vermeidung und Verhinderung von Kriegen zu erzielen und nicht im Bereiche von Macht-, Börsen-, Investgewinn und derlei Interessen.
Und dass dies möglich wird tragen künftige Generale ein äußerst hohes Maß an Verantwortung, denn der Frieden ist so ein wertvolles Gut, das zu bewahren nicht allein der Diplomatie und Politik überlassen werden sollte. Diejenigen, die die Katastrophe dann auszubaden haben, haben nicht nur das Recht, sondern die stete Pflicht, für eine Kriegsverhinderung zu wirken!“
Die in Wien ansässige Landesverteidigungsakademie ist dem österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung nachgeordnet. Sie ist die oberste Lehr- und Forschungsstätte des Ressorts mit einer mehr als 150-jährigen Tradition und gilt als das intellektuelle Zentrum der österreichischen Militärwissenschaft, dem vorwiegend die höhere Führungskräfteausbildung übertragen ist.
Ihr Kommandant während des hier in Rede stehenden Zeitraums (1986 bis 1990) und damit offenbar Verfasser des vorstehenden Texts war General Karl Schaffer. Am 05.01.1930 geboren, verstarb er am 30.01.2013 und wurde in Wien beerdigt.
Ob und inwieweit seine vorgenannten Gedanken in der Landesverteidigungsakademie heute noch geteilt werden, ist hier nicht bekannt.
(Titelfoto: Grabstein auf dem Waldfriedhof Halbe,
Juni 2026)
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